Projekt RS 2000
Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich in meinem neuen Job im Außendienst an einer mir bis dato völlig unbekannten Tankstelle in einer mir neuen Gegend unseres schönen Bayernlandes vorbeifuhr. Es war Winter. Aus dem Augenwinkel sah ich plötzlich unter einer Schneehaube eine mir sehr wohl vertraute Form hervorlugen. Die darauf folgende Vollbremsung quittierte der nachfolgende Verkehr mit absolut verständnislosem Hupen. Aber ich hatte mich schon aus dem Auto geschwungen. Tatsächlich, da stand er. Mein Traumwagen. Ein 1976er Escort RS 2000. Kein TÜV. Brief abgelaufen. überall Dellen. Frisch lackiert, ein Blender wie er im Buche steht. Ihm war anzusehen das er durch viele wenig liebevolle Hände gegangen war. Der noch aktive Teil meines Gehirns schrie förmlich auf als ich mich auf den Weg zum Kassenhäuschen machte: "... das hast Du doch nicht wirklich vor ... der fällt doch schon auseinander ... den kriegst Du nie durch den TÜV ..." . Kennt Ihr das wenn man auf der linken Schulter ein Engelchen und rechts einen ausgewachsnen kleinen Teufel sitzen hat. Das Engelchen verlegte sich dann noch kurz vor der Eingangstür aufs flehen und bitten, kam mir mit Vernunft und lauter so solchem Zeugs, wurde dann aber vom bis dahin ruhig gebliebenen Teufel sofort abgewürgt: "es ist ein 76er RS, da kannste labern wie de willst". 800.- Mark wollte er haben. Natürlich viel zu viel. Also, kurz verhandelt, schnell zum nächsten Geldautomaten, 800.- Mark auf den Tisch gelegt und nen Kaufvertrag auf einem Bierdeckel gemacht. He, wer will schon vernünftig sein.
Zwei Tage später wurde er dann frei Haus geliefert. Und meine Frau bekam Ihren ersten "RS-Tobsuchtsanfall". Ooops, da muss ich doch glatt vergessen haben Ihr von dem Kauf zu erzählen. Eine Woche später mit den roten Nummern ging's dann in die Werkstatt. Während der Fahrt dahin begann der Wagen innen langsam aufzutauen und ich kam patschnass an. Egal, wen stört das schon. Eigentlich wollte ich nur mal ne Bestandsaufnahme machen lassen. Aber der nette Herr im blauen Mantel war gerade da. Eine Stunde später war das Wunder perfekt: Komplettabnahme, neuer Brief, 2 Jahre TÜV ohne Mängel.
Die im Frühjahr folgende Restaurierung sollte eigentlich nur eine Lackierung werden. Aber beim zerlegen tauchte immer mehr geflicktes Material und übelst große Löcher auf. Von wegen ohne Mängel. Durch den Beifahrerfußraum konnte man bequem in den vorderen Radkasten klettern. Und so wurden aus einer Woche fast 4 Monate. In der Zeit arbeiteten wir täglich von 18.00 bis teilweise 2.00 Uhr morgens zu dritt an meinem Traum. Hätte ich in dieser Zeit meine beiden Kumpel Mike und Stefan nicht gehabt, hätte diese Projekt wohl auf dem Schrottplatz geendet. Nur den beiden (und meiner ständigen Nerverei) ist es zu verdanken das der RS zu einem absoluten Traumauto wurde. Aber seht selbst ...
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